Transfer Pricing Agenda 2026
Verrechnungspreise prüfen und Risiken minimieren
Verrechnungspreise prüfen und Risiken minimieren
Der Jahresbeginn ist ein geeigneter Zeitpunkt, um zentrale steuerliche Themen in den Fokus zu rücken. Für international tätige Unternehmensgruppen gehören dazu insbesondere die konzerninternen Verrechnungspreise – ein Bereich, der sich gerade jetzt sinnvoll ordnen, strukturieren und optimieren lässt.
Die Erfahrung zeigt: Betriebsprüfungen konzentrieren sich zunehmend auf Verrechnungspreisfragen und mehr als die Hälfte der Nachzahlungen resultiert aus entsprechenden Korrekturen. Wer hier frühzeitig handelt, schafft Transparenz und Sicherheit und reduziert steuerliche Risiken nachhaltig. Damit Sie gut vorbereitet ins neue Jahr starten, haben wir für Sie die wichtigsten Punkte für Ihre Transfer Pricing AGENDA 2026 zusammengestellt, die Sie jetzt in den Blick nehmen sollten:
Gruppengesellschaften mit Routinefunktionen und begrenzten Risiken sollten grundsätzlich eine niedrige, aber stabile Marge erzielen und auf dieser Basis ausgesteuert werden. Prüfen Sie daher laufend, ob die Zielmargen Ihrer Routinegesellschaften für das Geschäftsjahr erreicht werden. Weichen die Ist-Margen von den Zielwerten (erheblich) ab, sollten Sie prüfen, ob Preisanpassungen oder eine gut dokumentierte Jahresendanpassung sinnvoll sind. So lassen sich spätere Überraschungen in der Betriebsprüfung sowie das Risiko einer Doppelbesteuerung im In- und Ausland vermeiden. Dabei sollten auch umsatzsteuerliche und zollrechtliche Aspekte berücksichtigt werden.
Werden Management- oder Supportleistungen innerhalb Ihrer Unternehmensgruppe zentral erbracht? Dann stellen Sie sicher, dass die Kostenverteilung auf die beteiligten Gesellschaften robust, nachvollziehbar und wirtschaftlich begründet ist. Die Allokationsmechanismen sollten die tatsächlichen Leistungsbeziehungen und den wirtschaftlichen Nutzen widerspiegeln – Punkte, die in Betriebsprüfungen regelmäßig besonders geprüft werden.
Funktionsverlagerungen, Restrukturierungen oder die Übertragung von Wirtschaftsgütern können die Wertschöpfungskette einer Gruppe nachhaltig verändern und somit erhebliche Verrechnungspreisimplikationen nach sich ziehen. Daher lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie sich diese Vorgänge auf die Verteilung von Funktionen und Risiken innerhalb des Konzerns auswirken und ob die preislichen Konsequenzen angemessen berücksichtigt wurden. Auf dieser Grundlage kann geprüft werden, ob ein außergewöhnlicher Geschäftsvorfall (‚AGV‘) im steuerrechtlichen Sinne vorliegt. Ist dies der Fall, muss eine entsprechende AGV-Dokumentation innerhalb von sechs Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres erstellt werden.
Wer Verrechnungspreise rechtzeitig strukturiert, schafft Transparenz und reduziert steuerliche Risiken nachhaltig.
Ein solides Verrechnungspreissystem setzt voraus, dass für alle wesentlichen konzerninternen Geschäftsbeziehungen Intercompany-Verträge vorhanden sind. Falls für bestimmte Leistungs- oder Lieferbeziehungen Verträge fehlen oder nicht mehr aktuell sind, sollten diese zeitnah erstellt bzw. angepasst werden. Stellen Sie zudem sicher, dass Ihre konzerninternen Verträge die tatsächlichen Funktionen, Risiken und Vergütungsmechanismen korrekt widerspiegeln. Solide Verträge sind nicht nur Best Practice, sie sind oft ein zentraler Baustein der Verrechnungspreisdokumentation und erhöhen die Nachvollziehbarkeit im Prüfungsfall.
Besonders wichtig für die Dokumentation ist seit dem 1. Januar 2025 das neue zentrale Element der „Transaktionsmatrix“, die zusammen mit dem Master File und den AGV-Dokumentationen auch ohne explizite Anforderung innerhalb von 30 Tagen nach Prüfungsanordnung vorgelegt werden müssen. Nutzen Sie den Jahresbeginn, um Ihre Unterlagen zu prüfen und die Transaktionsmatrix aktuell zu halten. Auch ohne unmittelbar bevorstehende Betriebsprüfung lohnt sich eine frühzeitige Vorbereitung und regelmäßige Aktualisierung der Transaktionsmatrix, da sie Ihnen einen klaren und strukturierten Überblick über Ihre konzerninternen Vorgänge bietet.
Für die Vorbereitung Ihrer Verrechnungspreisdokumentation sollten Sie sicherstellen, dass Ihre Finanz- und ERP-Daten konsistent und nachvollziehbar sind. Prüfen Sie außerdem, ob eine Erstellung bzw. Aktualisierung von Datenbankstudien erforderlich ist, um Ihre Finanzergebnisse stets zuverlässig mit Vergleichswerten benchmarken zu können. Ergänzend empfehlen wir, die laufende Verrechnungspreisdokumentation bei wesentlichen Geschäftsbeziehungen bereits jetzt für das abgelaufene Jahr zu aktualisieren und neue Transaktionen aufzunehmen.
Wenn Sie die oben genannten Punkte im Blick behalten und regelmäßig überprüfen, sind Sie mit Blick auf die Verrechnungspreise gut vorbereitet und können künftigen Betriebsprüfungen mit größerer Sicherheit begegnen.
Es gibt Schätzungen, dass in aktuellen Betriebsprüfungen mehr als die Hälfte der Nachzahlungen auf Verrechnungspreisanpassungen beruhen.
Aus unserer Erfahrung resultieren die Risiken sehr häufig daraus, dass Routine-Gesellschaften gar nicht bzw. nicht rechtzeitig ausgesteuert werden und interne Dienstleistungen nicht verrechnet werden.
Wir empfehlen, zumindest die neu eingeführte Transaktionsmatrix jährlich aufzustellen und wesentlichen Änderungen in der Unternehmensgruppe zeitnah zu dokumentieren.