Third-Party Risk Management (TPRM)
Wie Unternehmen Lieferantenrisiken erkennen, bewerten und effektiv steuern
Wie Unternehmen Lieferantenrisiken erkennen, bewerten und effektiv steuern
Um die Chancen zu nutzen, die Globalisierung und Digitalisierung bieten, lagern immer mehr mittelständische Unternehmen bestimmte Bereiche an externe Dienstleister aus. Aber mit der Beauftragung von Cloud-Anbietern, Logistik-Services oder IT-Dienstleistern steigt
das Risiko von Sicherheitsvorfällen: So haben in einer branchenübergreifenden Umfrage des US-Sicherheitsanbieters Imprivata unter 573 IT-Experten in deutschen Unternehmen mehr als die Hälfte angegeben, bereits Datenverluste oder Angriffe erlebt haben, die aus Drittanbieter-Zugriffen resultierten.
Dieser Beitrag gibt Ihnen einen Überblick über die Sicherheitsrisiken, die von sogenannten Drittparteien ausgehen und wie sich diese Risiken mit einem strategischen Third-Party Risk Management (TPRM) kontrollieren lassen.
Third-Party Risk Management (TPRM) beschreibt den Prozess, mit dem Unternehmen die Risiken in der Zusammenarbeit mit externen Partnern gezielt identifizieren, bewerten und steuern. Etwa, wenn der Ausfall einer Cloud-Plattform die Unternehmensabläufe lahmlegt. Oder wenn der ausgelagerte Kundenservice die Datenschutzbestimmungen im Umgang mit Kundendaten nicht einhält.
TPRM erfasst etwa Lieferanten, IT- und Cloud-Dienstleister, Berater oder andere Partner, an die Dienstleistungen oder Prozesse ausgelagert werden.
Ziel des Third-Party Risk Management ist es, Störungen, Haftungs- und Compliance-Risiken sowie Daten- und Sicherheitsvorfälle frühzeitig zu erkennen und durch klare Richtlinien, Prüfungen und Vertragsstandards bestmöglich zu steuern. Dies umfasst den gesamten Lebenszyklus der Zusammenarbeit mit einem Drittanbieter, von der Auswahl und Due Diligence über Vertragsgestaltung, Onboarding und laufende Überwachung bis hin zur geordneten Beendigung der Geschäftsbeziehung, einschließlich der fortlaufenden Prüfung und Sicherstellung relevanter Compliance-Anforderungen.
Sogenannte Supply Chain Attacks oder Supply Chain Hacks werden zu einer zunehmenden Bedrohung für mittelständische Unternehmen. Cyberkriminelle greifen dabei gezielt die kleineren, häufig schlechter gesicherten Drittanbieter in der Lieferkette an und nutzen sie als Einfallstor für das eigentliche Unternehmen.
Setzt ein Drittanbieter Sicherheitsmaßnahmen, beispielsweise eine Multi-Faktor-Authentifizierung für Fernzugriffe, nicht konsequent um, steigt das Risiko für Ransomware, Phishing/Social Engineering und Datendiebstahl. Das kann Systeme, Daten und die Betriebsfähigkeit unmittelbar beeinträchtigen.
Besteht eine Abhängigkeit von einem kritischen Anbieter, wird dieser zum Flaschenhals. Fällt z. B. ein Netzwerk oder ein Rechenzentrum des Partners aus und es gibt keinen Notfall-Plan, kommen die Unternehmensprozesse zum Stillstand.
Unternehmen müssen die Compliance mit zahlreichen Richtlinien und Regelwerken nicht nur für sich selbst nachweisen, sondern sind in vielen Fällen zudem verpflichtet, die Einhaltung auch in ihrer Lieferkette zu überwachen.
Anforderungen zur Überwachung in der Lieferkette ergeben sich für betroffene Unternehmen etwa durch folgende Standards und Gesetze: ISO/IEC 27001, BSI C5, BSIG (NIS‑2 und KRITIS) sowie DORA. Weiterhin können kartellrechtliche und Nachhaltigkeits‑, Lieferketten- und Datenschutzanforderungen wie Art. 28 DSGVO bei der Auftragsverarbeitung zutreffen.
Insolvenzen oder starke Preisschwankungen bei Lieferanten können Mehrkosten, Lieferunterbrechungen und vertragliche Auseinandersetzungen auslösen.
Fehlverhalten von Drittanbietern kann die Außenwahrnehmung eines Unternehmens belasten, etwa bei Vorwürfen zu Korruption, Umwelt- oder Arbeitsrechtsverstößen oder bei schlechtem Kundenservice im Namen des Unternehmens.
Cyberangriffe auf Zulieferer in der eigenen Lieferkette können zu Produktionsausfällen, Lieferstopps, einem Zusammenbruch des Kommunikationssystems oder zu Reputationsschäden führen. In einer repräsentativen Studie des Digitalverbandes Bitkom mit mehr als 1.000 Unternehmen unterschiedlichster Branchen, geben 28 Prozent der befragten Unternehmen an, dass es bei ihren Zulieferern einen Sicherheitsvorfall oder einen Verdacht darauf gab. Von den betroffenen Unternehmen haben 41 % Auswirkungen aus der Lieferkette gespürt.
Mittelständischen Unternehmen mangelt es beim TPRM in der Praxis weniger an der Einsicht, sondern an Ressourcen, Transparenz und einheitlichen Prozessen.
Typische TPRM-Herausforderungen in KMUs sind:

1.Inventarisierung aller Drittanbieter (Third-Party-Register)
Aufbau eines vollständigen Verzeichnisses aller relevanten Drittanbieter, insbesondere IT-Dienstleister sowie Cloud-/SaaS-Anbieter zur Erfassung von:
2.Risikoklassifizierung nach Kritikalität und Wesentlichkeit
Einstufung jedes Drittanbieters in zuvor festgelegte interne Risikostufen (z. B. niedrig/mittel/hoch) anhand definierter Faktoren:
3.Vertrags- und Kontrollstandard festlegen
Definieren von Mindestanforderungen, die entsprechend der Risikoklasse vertraglich abgesichert werden:
4.Due Diligence vor Beauftragung und bei Änderungen
5.Laufendes Monitoring und Re-Assessments
Aufsetzen eines regelmäßigen, risikobasierten Monitoring-Prozesses (z. B. jährlich für hohe Risiken). Dazu gehören:
Wesentliche Änderungen der Lieferantenbedingungen, etwa bei Serviceumfang, Datenarten, Standorten, Subunternehmern oder Zugriffsrechten sollten eine Neubewertung auslösen.
6.Notfall- und Exit-Plan für kritische Anbieter
Definition von Notfallprozessen für Ausfälle kritischer Drittanbieter wie Cloud-Provider etc.:
Ergänzend:
Spezielle TPRM-Tools können Unternehmen beim Management von Drittanbieterrisiken unterstützen. Je nach Lösung decken sie u. a. das Drittanbieter-Register (Inventur), die Risikoklassifizierung, Due-Diligence-Prüfungen, das laufende Monitoring sowie die Exit- und Notfallplanung ab.
Das Risiko aus Drittparteien lässt sich anhand definierter Kriterien und Kennzahlen bewerten.
Aus diesen Faktoren lässt sich ein Risikoscore ableiten, der eine Einstufung in niedrig, mittel oder hoch ermöglicht.
Ein wirksames Third-Party Risk Management steht und fällt mit klaren Rollen, Entscheidungswegen und einer dokumentierten Risikoverantwortung. Ziel ist nicht Bürokratie, sondern schnelle, nachvollziehbare Entscheidungen – insbesondere bei kritischen Dienstleistern und Standard-SaaS-Verträgen.
Zu den typischen Rollen und Verantwortlichkeiten zählen:
Entscheidungslogik für die Bewertung und Freigabe von Drittanbietern:
Zum TPRM im Regelbetrieb zählen insbesondere:
Für Drittanbieter mit Datenzugriff oder Fernzugriff sollten bereits beim Onboarding folgende technischen Mindestkontrollen verbindlich umgesetzt und im laufenden Monitoring sowie bei Re-Assessments überprüft werden:
Drittanbieter stellen heute einen wesentlichen Risikofaktor in der Lieferkette dar. Mit einer klaren Strategie und passenden Prozessen lassen sich diese Risiken jedoch wirksam managen. Gerade mittelständische Unternehmen verfügen häufig über kurze Entscheidungswege und eine hohe Veränderungsbereitschaft und damit über eine sehr gute Ausgangslage, um ein praxistaugliches Third-Party Risk Management aufzubauen. Entscheidend ist, TPRM nicht als einmaliges Projekt zu verstehen, sondern als fortlaufenden Steuerungs- und Verbesserungsprozess, der regelmäßig überprüft, nachgeschärft und an neue Anforderungen angepasst wird.
Als multidisziplinäre Wirtschaftskanzlei begleiten wir mittelständische Unternehmen beim Aufbau und der Implementierung eines strategischen Third-Party Risk Managements. Unsere IT-Consultants unterstützen Sie dabei, Third-Party Risk Management wirksam, skalierbar und auditierbar aufzusetzen. Wir halten Tool-Unterstützung und Automatisierung dort für sinnvoll, wo sie den größten Effekt bringt, z. B. für ein zentrales Drittanbieter-Register, risikobasierte Klassifizierung/Scoring, standardisierte Workflows für Onboarding und Re-Assessments, Erinnerungen/Eskalationen sowie ein Reporting zu Risiken, Findings und Incidents.
Wir unterstützen Sie im gesamten Prozess: Drittanbieter-Register aufbauen, Risiken klassifizieren, Mindeststandards (Vertrag/Nachweise/Kontrollen) definieren, Due Diligence sowie Re-Assessments operationalisieren und Governance inkl. Reporting etablieren – bei kritischen Anbietern ergänzt um Exit- und Notfallanforderungen. Falls (noch) kein Tool im Einsatz ist, setzen wir die gleiche Struktur pragmatisch mit schlanken Templates um.