Sustainable Finance für mittelständische Unternehmen

Wie ESG‑ und Klimarisiken die Finanzierungskonditionen mittelständischer Unternehmen verändern

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Banken und andere Finanzmarktakteure bewerten ESG Risiken zunehmend systematisch. Regulatorische Vorgaben verpflichten sie dazu, ESG-Risiken in ihre Risikoanalyse ein zu beziehen.
  • Unternehmen müssen bei Kreditgesprächen zunehmend belastbare ESG Informationen liefern. Auch mittelständische Unternehmen rücken in den Fokus, da unvollständige Daten die Finanzierungskonditionen beeinträchtigen können.
  • Eine strukturierte Aufbereitung der relevanten Nachhaltigkeitsdaten verbessert die Transparenz. Standardisierte Regelwerke zur Nachhaltigkeitsberichterstattung wie der VSME-Standard oder die ESRS können die Basis für eine bessere Risikoklassifizierung im Finanzierungsprozess schaffen.

Nachhaltigkeit entwickelt sich im Finanzsektor von einem Randthema zu einem weiteren Bestandteil des Risikomanagements. Nachhaltigkeitsbezogene Risiken werden aufgrund regulatorischer Anforderungen zunehmend systematisch bewertet und neben klassischen Kriterien wie Bonität, Sicherheiten und Ertrag in Entscheidungen von Finanzmarktakteuren einbezogen. Diese Entwicklung wirkt sich zunehmend auch auf die Kreditvergabe aus, wodurch Sustainable Finance, auch für mittelständische Unternehmen, stärker in den Fokus rückt.

Hintergrund

Bereits heute hat der Klimawandel großen Einfluss auf Märkte und Lieferketten. Direkte Auswirkungen wie die Zunahme an Extremwetterereignissen verursachen hohe Kosten durch physische Schäden an Sachwerten, Lieferkettenunterbrechungen oder steigende Rohstoffpreise und Versicherungsprämien (siehe  linker Grafikabschnitt). Es ist davon auszugehen, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit dieser physischen Risiken aufgrund der zunehmenden Erderwärmung zukünftig weiter steigen wird.
Zusätzlich birgt auch die Übergangsphase zu einer nachhaltigen Wirtschaft Risiken. Diese Übergangsrisiken entstehen durch Anpassungs- und Reduktionsmaßnahmen, welche bestehende emissionsintensive Geschäftsmodelle und Produktionsstandorte unter Druck setzen. Aus den genannten Faktoren entstehen für Unternehmen strategische und operative Herausforderungen, die etwa Abwertungen von Vermögensgegenständen, Kreditausfälle oder in letzter Konsequenz Unternehmensinsolvenzen nach sich ziehen können. Damit sind sie auch für Finanzmarktakteure relevant.

Regulatorik und Rolle der Banken

Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen Klimarisiken, politischen Eingriffen, der Realwirtschaft und dem Finanzsystem erhöhen Marktaufsichtsbehörden wie die Europäische Zentralbank, die European Banking Authority und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den regulatorischen Druck auf Finanzmarktakteure (siehe  rechter Grafikabschnitt). Um Nachhaltigkeitsaspekte in das Risikomanagement zu integrieren, benötigen Banken daher valide und nachvollziehbare Nachhaltigkeitsinformationen. Dazu gehören insbesondere Daten aus der Klimabilanz, die sie entweder direkt von Unternehmen erhalten oder unter großem Aufwand selbst erheben bzw. schätzen müssen.

Wenn keine verlässlichen Daten vorliegen, werden ggf. pauschale Risikoaufschläge genutzt. Von besonderer Relevanz sind dabei nicht nur Unternehmen, die gegenüber Klimarisiken besonders exponiert sind, sondern auch Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit in erheblichem Maße klimarelevante Auswirkungen hat (siehe  mittlerer Grafikabschnitt).

Auch im alternativen Investmentbereich müssen spätestens mit dem Umsetzungsgesetz zur EU-Richtlinie 2024/927 („AIFMD 2.0“) Nachhaltigkeitsaspekte in das Risikomanagement integriert werden. Dies betrifft insbesondere Private Debt Funds, welche für KMU und Start-Ups eine wichtige Refinanzierungsmöglichkeit bieten.

Relevanz für den Mittelstand

Diese Entwicklungen betreffen zunehmend auchmittelständische Unternehmen. Eine Auswertung des Mittelstandspanels der Kreditanstalt für Wiederaufbau zeigt: 2025 waren bei 37 Prozent der mittelständischen Unternehmen mit 50 oder mehr Beschäftigten Nachhaltigkeitsaspekte Thema in Kreditgesprächen– Tendenz steigend. Das steht den erst kürzlich im Omnibus-Paket beschlossenen Erleichterungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung gemäß Corporate Sustainability Reporting Directive  gegenüber.
Inhaltlich überschneiden sich viele der abgefragten Informationen jedoch.
Im Kreditvergabeprozess kann es sich nachteilig auf die Finanzierungskonditionen auswirken, wenn entsprechende Informationen nicht vollständig oder rechtzeitig vorliegen – unabhängig davon, ob eine Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung besteht.

Kreditgeber fragen überwiegend nachhaltigkeitsbezogene Informationen an, die den operativen Geschäftsbetrieb und die Zukunftsfähigkeit des Kreditnehmers betreffen und somit für ihre eigene Risikosteuerung relevant sind. Bereits heute gibt es zahlreiche Beispiele für Ereignisse mit direkten Auswirkungen auf Betriebsausgaben (OpEx) und Investitionen (CapEx):

  • Klimabedingte Unterbrechungen von Lieferketten können die Ausgaben für Logistik sprunghaft erhöhen,
  • Hitzestress kann die Gesundheit von Mitarbeitenden gefährden, die Produktivität senken und Anpassungsmaßnahmen notwendig machen,
  • steigende Rohstoffpreise können möglicherweise nicht vollständig an Kunden weitergegeben werden,
  • bei langfristigen Investitionen wird die Berücksichtigung von klimatischen Standortfaktoren noch relevanter.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass die steigenden Informationsanforderungen kein weiteres Compliance-Thema darstellen. Vielmehr bieten sie einen Ausgangspunkt, um die eigene Exposition gegenüber Klimarisiken systematisch zu analysieren, in belastbare Kennzahlen zu überführen und daraus klare Steuerungsprioritäten abzuleiten, die einen messbaren Beitrag zum langfristigen Unternehmenserfolg leisten.

Strukturierte ESG-Datenbasis als Vorteil im Finanzierungsprozess

Angesichts steigender Informationsanforderungen aus dem Finanzsektor ist es ratsam, sich strukturiert mit der eigenen Exposition gegenüber Klima‑ und ESG‑Risiken auseinanderzusetzen – bspw. im Rahmen einer freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung unter Anwendung der VSME oder ESRS. Die hierbei gewonnenen Informationen sind nicht nur für Finanzierungskonditionen relevant, sondern können auch bei Entscheidungen zur strategischen Ausrichtung und operativen Steuerung des Unternehmens unterstützen.

Gemeinsam verfasst mit Felix Eychmüller.

Häufig gestellte Fragen zum Thema

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Erik Dumke

Partner*, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Dipl.-Kaufmann

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