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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Nachhaltigkeitsinformationen aus der Lieferkette werden u.a. mit der CSRD/ESRS-Berichterstattungspflicht zunehmend an Bedeutung gewinnen.
  • Es ist zu erwarten, dass der neue VSME-Berichtsstandard für nichtberichtspflichtige Unternehmen an Bedeutung gewinnt und ebenfalls zur effizienten Durchführung von ESG-Ratings durch Drittanbieter genutzt wird.
  • Eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung auf Basis einer Wesentlichkeitsanalyse kann zu Kosteneinsparungen und Produkt-/Dienstleistungsinnovationen führen.

Die Rolle von Nachhaltigkeitsinformationen in der Lieferkette gewinnt durch neue gesetzliche Anforderungen aus der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), EU Taxonomie, EU-Entwaldungsverordnung oder Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG)/ Corporate Sustainability due diligence directive (CSDDD) stetig an Bedeutung. Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, sind verpflichtet, auch wesentliche Nachhaltigkeitsinformationen ihrer Lieferanten transparent offenzulegen.

Anforderungen an Nachhaltigkeitsinformationen in der Lieferkette

Mit der gesetzlichen Einführung der CSRD und des LkSG/CSDDD müssen Unternehmen nicht nur ihre eigenen ESG-Daten, sondern auch die ihrer Lieferanten berücksichtigen bzw. erfassen. Dies betrifft Umweltaspekte, soziale Themen und Governance-Fragen. Die Daten werden für die Berichterstattung benötigt und sind prüfpflichtig. Konkret werden messbare Indikatoren abgefragt, welche in der Regel auch durch Ziele und Maßnahmen vervollständigt werden. Ziel berichtspflichtiger Unternehmen ist es, mögliche wesentliche Chancen, Risiken und Auswirkungen zu identifizieren und frühzeitig zu fördern bzw. zu reduzieren. Unternehmen möchten so eigene ESG-Bestrebungen auch in ihrer Lieferkette integrieren. Diese Transparenz senkt langfristig das Risiko z.B. von Lieferengpässen und Reputationsschäden.

Darstellung vor- und nachgelagerte Lieferketten eines Maschinenherstellers:

Anknüpfungspunkte zur ESG-Berichterstattung und Nachhaltigkeitsratings

Die ESG-Berichterstattung nach den ESRS verlangt von Unternehmen eine umfassende Analyse der Nachhaltigkeitsaspekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein zentrales Instrument ist die Wesentlichkeitsanalyse: Unternehmen müssen systematisch bewerten, welche ökologischen, sozialen und Governance-Themen für sie und ihre Stakeholder wesentlich sind. Die doppelte Wesentlichkeit nach ESRS bedeutet, dass sowohl die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft als auch die finanziellen Chancen und Risiken durch Nachhaltigkeitsthemen betrachtet werden.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gibt es mit dem VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) einen eigenen Standard, der die Anforderungen an die Berichterstattung vereinfacht und praxisnah gestaltet. So können auch kleinere Lieferanten relevante ESG-Informationen strukturiert erfassen und bereitstellen. Eine freiwillige Wesentlichkeitsanalyse kann Unternehmen in diesem Zusammenhang dabei helfen, Fokusthemen zu identifizieren und somit auch Kosten einsparen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Nachhaltigkeitsratings durch externe Drittanbieter. Diese Ratings gewinnen für Unternehmen und ihre Lieferanten zunehmend an Bedeutung, da sie eine unabhängige Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung ermöglichen. Eine freiwillig veröffentlichte ESG-Berichterstattung reduziert den Aufwand, um derartige Befragungen zum Rating zu erleichtern. Ein Bericht dient zudem als Nachweis für die getätigten Antworten und erhöht den ESG-Score. Unternehmen nutzen solche Ratings, um die ESG-Leistung ihrer Lieferkette zu überwachen, Risiken zu identifizieren, mit anderen Lieferanten zu vergleichen und gezielt Verbesserungen einzufordern. Ein gutes Rating kann für Lieferanten zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden und die Chancen auf neue Geschäftsbeziehungen erhöhen.

Ein pragmatisch orientierter, freiwilliger Nachhaltigkeitsbericht schafft die Grundlage für zukünftige Anforderungen von Kunden, Banken und möglichen Investoren. Effizient aufgestellt, kann dieser zusätzlich die Grundlage für Einsparungen sein.

Andreas Schruth, Senior Manager ESG und Nachhaltigkeit

Die integrative Betrachtung der Durchführung von Wesentlichkeitsanalysen, die Nutzung von ESG-Standards wie VSME und externen Ratings schafft eine belastbare Grundlage für die ESG-Berichterstattung. Sie ermöglicht es Unternehmen, die Nachhaltigkeit ihrer Lieferkette transparent und vergleichbar darzustellen und gezielt auf die Anforderungen von Gesetzgebern, Investoren und Kunden zu reagieren.

Fazit

Die CSRD-Berichtspflicht zu Nachhaltigkeitsthemen erweitert die Unternehmensanforderungen an Lieferanten gegenüber ihren Kunden. Wer ESG-Daten strukturiert und transparent bereitstellt, bleibt ein bevorzugter Geschäftspartner und kann zugleich Effizienzen und Wettbewerbsvorteile heben. Unternehmen und Lieferanten profitieren gemeinsam von einer nachhaltigen und resilienten Lieferkette.

Häufig gestellte Fragen zum Thema

Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Sprechen Sie uns gern an!

Andreas Schruth

Director ESG & Nachhaltigkeit, Sustainability Auditor (IDW), MBA

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